Interview über Body Positivity & Körperkult

Einer meiner langjährigsten Freundinnen und Wegbegleiterinnen absolviert derzeit einen Jourmalismus-Lehrgang und im Rahmen dessen hat sie mich interviewt. Jennifer nahm mein 5-jähriges Firmen-Jubiläum zum Anlass mit mir über Körperwahrnehmung, Schönheitsideale und Body Positivity zu sprechen und ich muss sagen, es war eine einzigartige Erfahrung zu diesen Themen interviewt zu werden und auch darüber nachzudenken, was ich mit meiner Arbeit und mit meinen Fotos bewegen möchte. Danke Jennifer, dass du mich für dein Interview ausgewählt hast und dass du mich nun schon seit über 20 Jahren als Freundin und Herzensmensch begleitest!

Euch wünsche ich nun viel Freude beim Lesen des Interviews! Natürlich könnt ihr mir sehr gerne in den Kommentaren eure Gedanken zu dem Interview, aber auch zum Thema Körperwahrnehmung und Schönheitsideale mitteilen.

Alles Schöne, eure Tina

 

Körperwahrnehmung im Spannungsfeld gesellschaftlicher Ideale.
Im Gespräch mit Tina Schön.
(von Jennifer Vogtmann)

Ich habe das große Glück viele tolle Menschen in meinem Leben zu haben, die spannenden Berufen nachgehen. Im Rahmen meiner Bildungskarenz absolviere ich derzeit einen Journalismus-Lehrgang. Als ich die Aufgabe bekam, mir ein interessantes Thema zu wählen und dazu ein Interview zu führen, dachte ich sofort an Tina Schön, die als selbständige Fotografin unter dem Label schön fotografiert tätig ist.

Als Frau und Feministin, die viel mit jungen Menschen in der Phase ihrer Identitätsfindung gearbeitet hat, habe ich mich intensiv mit dem Thema ‚Frau sein‘ auseinandergesetzt. Mir gefällt das Konzept von schön fotografiert sehr und in Zeiten von Selbstinszenierung und Body Positivity ist das Thema Schönheit oder vielmehr die eigene Körperwahrnehmung im Spannungsfeld gesellschaftlicher Ideale sehr aktuell. Deshalb habe ich Schön gefragt, ob ich sie zu diesem Thema interviewen darf. Sie hat sich nicht nur als Frau mit dem Thema auseinandergesetzt, sondern auch als Fotografin. Schön hat daher eine zusätzliche Perspektive, was sie als Ansprechpartnerin für mich besonders spannend macht. Ende September lud mich Tina Schön in ihr Fotostudio ein um das Interviewgespräch mit ihr zu führen:

Du hast es dir als Fotografin zum Ziel gesetzt Frauen zu helfen, ihre einzigartige Schönheit zu entdecken und zu zeigen. So habe ich es auf deiner Homepage www.schoenfotografiert.at gelesen. Wie ist es dazu gekommen und warum ist dir das ein Anliegen?

Tina Schön: Da ich selber eine Frau bin, weiß ich, dass wir Frauen dazu neigen, immer einen Makel an uns zu finden. Oft ist das aber nur eine subjektive Wahrnehmung. Ich habe die Gabe, Frauen anzuschauen und sofort erkenne ich an ihnen etwas sehr Schönes.

Ist das bei dir selbst auch so? Das wäre ja beneidenswert.

Tina Schön: Nein, bei mir selbst gelingt mir das leider auch nicht. Aber bei anderen Frauen sehe ich keine flatternden Oberarme, sondern ich sehe die Ausstrahlung und erkenne die Schönheit. Mit meiner Kamera kann ich den Frauen zeigen, wie ich sie sehe.

Ist diese körperliche Schönheit nicht etwas sehr Oberflächliches? Warum findest du es wichtig, dass Frauen ihre Schönheit erkennen?

Tina Schön: Wir haben nur den einen Körper und es wäre an der Zeit sich mit ihm auszusöhnen. Das fällt Frauen prinzipiell schwer, selbst meiner 82-jährigen Oma.

Warum dann ausgerechnet Fotos in Unterwäsche? Wird da die Frau nicht erst recht reduziert?

Tina Schön: Einer Frau das Gefühl zu vermitteln, dass sie schön ist und dabei ein schönes Kleid zu tragen ist ja viel leichter. Aber nur in Unterwäsche, in seinem sozusagen ‚rohen Körper‘, ist das schon schwerer als in einem wunderschönen Ballkleid.

Wieso glaubst du haben insbesondere Frauen oft ein Problem mit ihrem Äußeren?

Tina Schön: Ich glaube, dass auch viele Männer Probleme mit ihrem Aussehen haben. Frauen wurden aber historisch gesehen immer wieder auf ihr Äußeres reduziert und Frauen stellen einen großen Markt dar. Es gibt viele Produkte, die mit bearbeiteten Fotos von wunderschönen Frauen beworben werden. Wir sollten schon unseren Kindern in der Volksschule zeigen, dass diese Bilder nicht echt sind. Ein Foto ist nicht die pure Realität, sondern ist digital bearbeitet. Fotos wurden übrigens auch schon in analogen Zeiten bearbeitet.

Meinst du die Gesellschaft trägt dazu bei, dass Frauen sich dabei schwer tun ihren eigenen Körper anzunehmen?

Tina Schön: Ja. Unsere Gesellschaft ist sehr oberflächlich und inszeniert. Ich versuche da ein Gegenpol zu sein. Sich mit Mitte 20 wunderschön zu fühlen ist einfacher als mit Mitte 40 und nach drei Geburten, zum Beispiel. Interessant ist, dass die Arbeit mit etwas älteren Frauen für mich einfacher ist. Sie haben einen anderen Blick auf ihren Körper. Deswegen sind sie nicht automatisch zufriedener, aber durch meine Arbeit sehen sie schneller ihre Schönheit. Mit jüngeren Frauen habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie – auch bei noch so schönen Fotos – nur ihre Makel sehen.

Siehst du dich mit deiner Arbeit als Teil der Body Positivity Bewegung? Dabei geht es ja auch darum, die Menschen davon zu überzeugen, dass ihr Körper schön ist, auch wenn er nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entspricht. Außerdem wirken deine Fotos natürlich und wenig bearbeitet.

Tina Schön: Davon bin ich schon noch ein gutes Stück entfernt. Auch, wenn ich versuche so natürlich wie möglich zu bleiben – zum Beispiel beim Make-Up. Aber die Frauen sind eben doch geschminkt. Je länger ich im Geschäft bin, desto mehr ermutige ich meine Kundinnen sich ‚purer‘ zu zeigen. Es kommt auch immer ein bisschen auf die Frau an. Wenn eine Kundin sehr nervös ist und die Bilder als Geschenk für jemanden machen möchte, ermutige ich sie weniger ihre ‚Makel‘ stolz zu zeigen. Je älter die Frauen sind, desto ‚purer‘ darf ich sie – meistens – zeigen.

Letztlich geht es mir in allen Bereichen darum, die Wahl zu haben. Zum Beispiel ob ich mir meine Beine rasiere oder eben nicht. Beides soll ok sein. Die meisten Männer rasieren sich ihre Beine und Brusthaare auch nicht und das finden manche anderen schön und manche nicht.
Ich finde das war ein gutes Schlusswort von Schön. ‚Es geht darum die Wahl zu haben‘. Wenn wir das Gefühl haben, so sein zu dürfen, wie wir sind und uns mit uns selbst wohl fühlen, können wir uns noch immer dafür entscheiden unsere Vorzüge hervorzuheben. Oder eben auch mal nicht.
Ich danke Tina Schön für dieses interessante und sympathische Gespräch zu diesem wichtigen Thema. Außerdem möchte ich abschließend noch die Gelegenheit nutzen und schön fotografiert zum fünfjährigen Jubiläum gratulieren! Ich wünsche Tina Schön weiterhin viel Erfolg als Fotografin, als Frau und als Mensch – denn entgegen aller gesellschaftlicher Erwartungen sind wir alle in erster Linie einfach Menschen.

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